Sehbewusstsein der Deutschen Drucken E-Mail
KGS-Brillenstudie 2008 zum „Sehbewusstsein der Deutschen“

Nach der vom KGS in Auftrag gegebene und vom Institut für Demoskopie Allensbach erhobene Brillenstudie 2008 zum Sehbewusstsein der Deutschen tragen 62 Prozent der deutschen Bevölkerung (ab 16 Jahren)  eine Brille. Das sind mittlerweile 39,2 Millionen Menschen. Damit hat sich der Kreis der Brillenträger kurzfristig von 64 (2005) auf 62 Prozent reduziert, langfristig jedoch stark ausgeweitet: Zum Zeitpunkt der ersten Erhebung 1952 trugen  43 Prozent der Bevölkerung eine Brille.

Die Zahl der Brillenträger im vereinten Deutschland setzt sich heute aus 35 Prozent „ständigen Brillenträgern“ und 27 Prozent „gelegentlichen Brillenträgern“ zusammen. Hinzu kommen 4 Prozent bzw. rund 2,7 Millionen Kontaktlinsenträger, die diese hauptsächlich im Wechsel mit einer Brille tragen.

Die Steigerung des Anteils der Brillenträger lässt sich in allen Altersgruppen beobachten, weit überdurchschnittlich jedoch bei den jüngeren: Waren 1952 erst 13 Prozent der 21- bis 29-Jährigen Brillenträger, trägt heute mehr als ein Viertel dieser Altersgruppe ständig oder gelegentlich eine Brille. Die Gruppe der ab 60-Jährigen nutzte damals zu 88 Prozent eine Brille – und zwar überwiegend nur zum Lesen. Heute beträgt der Anteil der Brillenträger in diesem Alter 93 Prozent.

Ursache der langfristigen Ausweitung des Brillenträgeranteils ist laut Brillenstudie unter anderem die Beteiligung der Bevölkerung an Sehtests bzw. Augenuntersuchungen.

Ferner ist es gelungen, weit verbreitete Vorurteile gegenüber dem Brilletragen abzubauen. 1959 urteilten noch 50 Prozent der Bevölkerung „Zu einem Maurer passt keine Brille“ und 47 Prozent meinten, dass bei einer Kellnerin eine Brille „etwas komisch“ wirke. Heute sind 87 Prozent der Menschen überzeugt, dass es „für jeden die zu ihm passende Brille gibt“.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Brillen hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Inzwischen haben viele Menschen erkannt, dass die Vielfalt an Brillenfassungen und -gläsern unterschiedlicher Materialien, Veredelungen, Formen und Farben nicht nur entspanntes Sehen, sondern auch Möglichkeiten zum individuellen Styling bietet. So sind heute rund 40 Prozent der Bundesbürger der Ansicht, dass eine Brille „die eigene Persönlichkeit unterstreicht“ oder „viele Menschen interessanter macht“.

Einige Vorbehalte gegenüber dem Brilletragen haben sich allerdings auch hartnäckig gehalten: So vermuten 72 Prozent der Brillenträger und 78 Prozent der Nicht-Brillenträger, dass viele Leute zu eitel sind, um eine Brille zu tragen. Auch dass Kinder mit Brille von anderen oft gehänselt werden, ist offensichtlich noch keineswegs überwunden. Es ist also davon auszu-gehen, dass auch heute noch nicht alle Menschen mit Sehschwächen eine Brille tragen.

Die kontinuierliche Zunahme des Anteils der Brillenträger hängt auch entscheidend mit der Entwicklung der Bildschirmarbeitsplätze zusammen. Sie stellen größere Anforderungen an das Sehvermögen der Beschäftigten als das vor Jahren beispielsweise noch in Landwirtschaft oder Bergbau der Fall war. Heute arbeiten 66 Prozent der Berufstätigen in Deutschland regelmäßig oder gelegentlich am Computer. In allen Altersgruppen lässt sich nachweisen, dass am Bildschirm Tätige öfter eine Brille benötigen als Altersgleiche ohne Computernutzung. Offensichtlich lässt präzises Sehen am Bildschirm latente Sehschwächen früher zutage treten. So hat sich mit wachsender Verbreitung und Intensivierung der Bildschirmtätigkeit auch der Anteil der Brillenträger in der Bevölkerung erhöht.

Während der Anteil der Brillenträger in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen ist, zeigt er sich erstmalig leicht rückläufig (2005: 63,7 Prozent, 2008: 62,0 Prozent bzw. in absoluten Zahlen von 40,4 auf jetzt 39,2 Millionen). Betrachtet man die mittel- und langfristige Entwicklung ist zu vermuten, dass es sich hier nur um einen kurzfristigen Rückgang handelt. Dieser ist ebenfalls nicht auf eine einzelne sondern mehrere Ursachen zurückzuführen:

- Personen, die sich ausschließlich mit einer Fertigbrille begnügen und diese nur gelegentlich nutzen, sehen sich zum Teil nicht als Brillenträger.

- Nach Inkrafttreten des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (GMG) zum 1. Januar 2004 werden Brillen nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt, sondern müssen selbst voll finanziert werden. Potentielle neue Brillenträger schieben die Erstanschaffung einer Brille deshalb möglicherweise hinaus. Brillenträger zögern möglicherweise beim Neukauf.

- Eine weitere Rolle könnte die technische Entwicklung neuer Monitore spielen, die augenschonenderes Arbeiten ermöglicht. Dies führte möglicherweise dazu, dass sich die Ausweitung der Computernutzung als Treiber für immer früheres Brilletragen inzwischen abschwächte.

Keiner dieser Faktoren allein, wohl aber deren Zusammenspiel könnte den leichten Rückgang des Anteils und der Zahl der Brillenträger seit der letzten Erfassung bewirkt haben.

 



Quelle: KGS / Allensbach

 
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